Auf den Spuren des Apostels Paulus
Auf den Spuren des Apostels Paulus am RÖMERWEG
Am 07.09.2010 gingen wir im Bereich der TROAS Halbinsel (südl. der Dardanellen) entlang der Ägäisküste in Richtung Alexandria Troas. Konstantin der Große erwog sogar (etwa 300 n.Chr.) diese Stadt zur Hauptstadt des gesamten römischen Reiches zu machen – er entschied sich jedoch für Byzanz (heutiges Istanbul). Bei einer Pause in einem Restaurant fand ich im Internet zufällig einen direkten Weg von Alexandria Troas nach Assos. Dieser war nicht auf der Landkarte eingezeichnet und verlief über die Berge. Assos war unser nächstes großes Ziel, da Apostel Paulus dorthin am damaligen Römerweg von TROAS nach ASSOS gegangen war (Apostelgeschichte 20,6 und 13-14). Heute heißt diese Stadt Behramkale. Nach kurzem Überlegen entschlossen wir, nicht wie geplant entlang der Küste, sondern diesen direkten Weg zu gehen. Wir kamen nach Babadere, danach führte der Weg steil bergan auf einen Höhenrücken zu. In einem namenlosen Bergdorf (hier war wahrscheinlich noch nie ein Fremder) war die schmale Asphaltstraße plötzlich zu Ende und wir wussten nicht mehr weiter. Ein Junge gab uns zu verstehen, dass wir ein Stück wieder zurück und dann scharf links die Staubstraße ins Tal nehmen müssten. Der Weg verlief in der Folge an einem Bach entlang, wieder bergan in ein ganz altes Dorf (wie vor etwa 50 Jahren) und an einem „geheimen“ Militärstützpunkt vorbei hinauf zu einem Pass (Asphaltstraße etwa 700 Höhenmeter). Hier genossen wir einen wunderbaren Ausblick auf das Meer in der Ferne. Wir waren nun bereits 35 km unterwegs, es wurde dunkel (19.00 Uhr) und von einem Ort oder dergleichen war nichts zu sehen. Von weit her hörten wir aber plötzlich Motorengeräusche. Wir konnten das Auto stoppen und der Lenker nahm uns VIER (Blacky im Kofferraum) zu einem Bergdorf namens Kulfal mit. Ja und was wir dort dann erleben durften, war mehr als ein Geschenk!! Der Fahrer (ein Lehrer) war auf dem Weg zum gemeinsamen Ramadan-Essen (Fastenmonat) ins Dorf und lud uns ein mitzukommen. Heuer dauerte diese Fastenzeit exakt 29 Tage, wobei es u.a. verboten ist, zwischen Sonnenauf- und -untergang etwas zu essen oder zu trinken – auch keine WASSER!! Gegen 21.00 Uhr stand einer der Muslime plötzlich auf, ging zur nahe gelegenen Moschee und rief als Muezzin mittels Mikrofon zum Gebet. Danach gab es noch ein gemeinsames Foto samt Bürgermeister des Dorfes (200 Bewohner). Der Muezzin wird von verschiedenen Männern aus dem Dorf gestellt. Der Imam (Vorbeter) ist dort nur manchmal zu gegen.

Am nächsten Tag suchten wir 1 Stunde nach einem alten Weg, welcher angeblich ins nächste Dorf führen sollte. Sowohl ein einheimischer Taxifahrer als auch die Männer im Bergdorf gaben zu verstehen, dass es hier außer der schmalen Asphaltstraße keinen direkten Weg gäbe. Für unsere Hartnäckigkeit wurden wir wahrlich reich belohnt, als wir plötzlich und völlig unerwartet auf die Reste einer alten Römerstraße stießen. Hier war mit Sicherheit Apostel Paulus zu Fuß unterwegs. Und die letzten 2.000 Jahre wohl keiner mehr...

Im nächsten Tal war dieser Weg plötzlich zu Ende und ein kleiner Fluss lag vor uns. Da es wiederum über 30 Grad hatte, entschlossen wir spontan, in dieser idyllischen Gegend in einem natürlichen Staubereich des Flusses zu baden – natürlich nackt! Nach etwa 1 Stunde hatten wir dann noch immer keinen weiteren Verlauf des Weges gefunden, bis wir Gott sei Dank einen Hirten bemerkten. Er zeigte uns den Weg auf der anderen Seite des Flusses, welcher bergauf in ein Dorf führte.
Fast unglaublich, wie wunderbar sich immer wieder alles zusammenzufügen scheint.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann das besagte Bergdorf und danach wieder den Römerweg, welcher dort sogar sehr gut erhalten war. Nun war auch Assos in der Ferne erstmals zu sehen. Welch ein Gefühl mag wohl Paulus gehabt haben, als er hier vor etwa 2.000 Jahren ebenfalls Assos von der Ferne sah… DANKE!

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